Wir wollen das Bettenhaus von der Uni übernehmen. Für dieses Vorhaben brauchen wir Geld. Hauptsächlich, um das Gebäude zu renovieren und zu Teilen auch für den noch auszuhandelnden Kaufpreis. Seit Sommer 2008 laufen die Verhandlungen mit der Uni Marburg und dem Land Hessen, dessen Liegenschaft das Bettenhaus ist.
Wir brauchen zinsgünstige Direktkredite. Dies sind Kredite, die direkt von Privatmenschen und nicht von einer Bank an uns verliehen werden. Man könnte auch sagen Direktkredite sind eine soziale und solidarische Geldanlage. Denn im Gegensatz zu Spenden (die wir natürlich auch gerne annehmen), werden Kredite mit Zinszuschlag von den Mieteinahmen wieder zurückgezahlt.

Wie kaufen wir das Bettenhaus? Und wie funktionieren Direktkredite?
Um uns die Freiheiten des „selbstbestimmten Wohnens“ zu bewahren, wollen wir uns auf ungewohnt kapitalistisches Gebiet begeben und das Bettenhaus übernehmen. Unterstützt werden wir dabei von dem Freiburger Mietshäuser Syndikat. Dieser Zusammenschluss aus alternativen Wohnprojekten berät nicht nur unerfahrene HäuslekäuferInnen bei den oft langwierigen Verhandlungen mit den EigentümerInnen oder der Gestaltung des Kaufvertrags. Das Syndikat hat für seine Ziele auch ein eigenes Kaufmodell entwickelt: Zusammen mit den BewohnerInnen des jeweiligen Hauses bildet es eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Die GmbH wird Eigentümerin des Hauses und damit Vermieterin. Die Verwaltung bleibt den BewohnerInnen überlassen, so dass sie weiterhin tun und lassen können, was sie wollen – bis auf eine Sache: Das Haus weiter verkaufen.
Hier hat das Syndikat ein Vetorecht, damit das Haus nicht wieder in die Hände eines Einzelnen fällt. „Mieter kommen und gehen“, sagt Jochen Schmidt, der ehrenamtlich im Freiburger Büro des Syndikats arbeitet. „Das Haus und die Idee sollen aber erhalten bleiben“.

Um die Idee ging es auch den rund 20 Erfindern des Modells, die sich in den 80er-Jahren in Freiburg darum bemühten, ein altes Fabrikgelände zu kaufen, um dort ihr Ideal vom „Arbeiten ohne Chefs und Untergebene“ und selbstbestimmten Wohnen zu verwirklichen. Heute ist das Syndikat in fast jedem Bundesland an Wohnprojekten beteiligt. 41 Häuser sind schon gekauft, 25 Projekte sind noch in Arbeit. Den Großteil des Geldes für den Kauf ihrer Häuser müssen die Projekte selbst aufbringen, meist über günstige Direktkredite aus dem Familien- und Bekanntenkreis. „Auch Banken vertrauen inzwischen darauf, dass unser Kaufmodell funktioniert und leihen den Projekten Geld“, sagt Jochen Schmidt. Zurückgezahlt werden die Kredite aus der Miete, die alle BewohnerInnen auch nach dem Kauf des Hauses weiterhin zahlen. Auch wenn das Haus abbezahlt ist, sollen die Zahlungen weitergehen. „Der Blick über den Gartenzaun zeigt einen großen Bedarf an weiteren Häusern und Grundstücken, um anderen auch die Idee vom selbstorganisierten Wohnen zu ermöglichen“, so Schmidt. Deshalb sollen ältere Projekte ihre Gewinne aus der Miete „solidarisieren“ und den jüngeren Projekten für den Selbstkauf leihen. So hofft das Syndikat, künftig auf den Bankenanteil der Finanzierung verzichten zu können, um die hohen Zinsen zu umgehen.
Dieses Modell ermöglicht also:
- Kollektivierung von Eigentum
- Hauskauf auch für Hausprojekte ohne Eigenkapital bzw. dieses wird über Direktkredite eingeworben
- solidarisches Netzwerk von Hausprojekten
- selbstbestimmtes Wohnen durch Selbstverwaltung der Hausprojekte

weitere Informationen unter http://www.syndikat.org