Aufruf zur Demonstration „Rassismus tötet – Gegen rechte Gewalt“

Das Bettenhaus ist Unterstützerin der Demonstration „Rassismus tötet – Gegen rechte Gewalt“ am 22. Februar 2014 in Dauphetal (bei Marburg) und veröffentlicht daher hier den Aufruf der OrganisatorInnen.
Eine Info-Veranstaltung im Vorfeld findet am 15.2.2014 um 20.30 im Cafe am Grün in Marburg statt.

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The Bettenhaus supports the Demonstration „Racism kills – Against right-wing violence“, which will be taking place on the 22nd of february 2014 in Dauphetal (near Marburg).
On the 15th of february there will be an information-evening in the local cafe „Cafe am Grün“ in Marburg.

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„Aufruf zur Demonstration „Rassismus tötet – Gegen rechte Gewalt“ am 22.2.2014 – 15.00 Uhr – Bhf Friedensdorf

Im beschaulichen Städtchen Dautphetal bei Marburg wurde am 18.02.2008 ein Haus von Neonazis angezündet. Bereits nachmittags, Stunden vor der eigentlichen Tat, schmierten die unbekannten Täter das Wort „Hass“, die SS Buchstaben im Stil von Sigrunen, mit Sprühfarbe an die Tür der betroffenen Familie mit türkischem Hintergrund. Bereits zu diesem Zeitpunkt hätte Schlimmeres verhindert werden können, hätte die herbeigerufene Polizei den extrem rechten Farbanschlag ernstgenommen. Aber das Gegenteil war der Fall, sie tat, was sie immer tut: Beschwichtigen, beruhigen und letzendlich ignorieren.
Stunden später stand der Holzanbau des Einfamilienhauses in Flammen. Die Bewohner_Innen konnten noch zwei Männer beobachten, die davon rannten und Naziparolen riefen. Der Brand wurde glücklicherweise schnell gelöscht, niemand musste den Anschlag mit seinem Leben oder körperlicher Versehrtheit bezahlen. Eine Woche später ließ die Polizei Marburg-Biedenkopf verlauten, es gäbe keine Verdachtsmomente – die Ermittlungen gegen die unbekannten Neonazis verliefen im Sande. Weitere Wochen nach der Tat erhielt die Familie, deren Haus angezündet wurde, einen Brief mit Zeitungsausschnitten des Brandanschlages – und drei beiliegende Streichhölzer.
Der Fall reiht sich in Hessen ein: Ebenfalls 2008 schlug im Schwalm Eder Kreis ein Neonazi ein 14-jähriges Mädchen bei einem nächtlichen Überfall auf ein Zeltlager mit einem Klappspaten in die Intensivstation. 2008 wurden vermeintliche Linke im nahen Goßfelden brutal zusammengeschlagen. 2010 verübten Neonazis in Wetzlar einen Brandanschlag mit Molotowcocktail auf das Haus eines Nazigegners. Seit 2012 ist im nahen Lumdatal eine Naziclique aktiv, zuletzt gingen sie mit Elektroschockern und Zaunlatten auf Passanten los.
Mit dem jüngsten Angriff auf eine Asylsuchendenunterkunft in Wohratal wird die Kontinuität rassistischer Übergriffe offensichtlich. In der Nacht zum 12.01. 2014 verwüsteten vier Männer aus Wohra und Kirchhain das Haus, zerstörten Fenster, Türen und Rollläden, bedrohten und beschimpften die Bewohner_innen. Obwohl die Randale über eine halbe Stunde dauerte, traf die Polizei trotz unmittelbar nach Beginn des Angriffes abgesetzten Notrufes erst wesentlich später ein – später streitet sie den rassistischen Charakter des Übergriffes ab.
Fakt ist: Nazis morden. Und das nicht erst seit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Seit 1990 wurden 180 Menschen von Nazis in der BRD ermordet. Ob sie Leute zusammenschlagen, aus der S-Bahn werfen, erstechen, entführen oder eben ihr Haus anzünden, bleibt in der Begründung gleich. Der Grundpfeiler der Ideologie der Neonazis ist die Einteilung von Menschen nach rassistischen und chauvinistischen Kategorien. Die Folge hiervon ist unweigerlich die Diskriminierung und letztendlich die Vernichtung der durch dieses Gedankengut als minderwertig angesehenen Menschen.
Jedoch bleibt die Frage nach den Ursachen rechter Gewalt in der Diskussion um Rechtsterrorimus und Stiefelnazis meist außen vor. Nazis entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern finden eine Gesellschaft vor, die eine solche Ideologie erst ermöglicht. Das Zeigen auf den vermeintlich glatzköpfigen rechten Rand verkennt allerdings die tiefe Verankerung menschenverachtender Ideologien wie Rassismus, Sexismus, Antiziganismus und Antisemitismus sowie weitere Formen von Ausgrenzung und Diskriminierung in der Gesamtgesellschaft. Die rassistischen Proteste gegen Asylsuchenden-Unterkünfte, die Stigmatisierung von Rom_nija, die deutsche Abschiebepraxis oder die Thesen Thilo Sarrazins sind keine Kinder extrem rechter Ideologien, sondern die der bürgerlichen Mitte. In der Großstadt, auf dem Dorf, im Osten wie im Westen gilt: Migrant_innen erfahren Rassismus in erster Linie nicht durch Nazis, sondern von den Nachbarn, von der Chefin oder den Kolleg_innen sowie auf der Ausländerbehörde.
Brandanschläge wie jener von 2008 in Dautphetal sind dabei die Spitze eines bekämpfenswerten Eisberges. Rechter Gewalt muss entgegengetreten werden – mit allen Mitteln! Ob dafür die örtliche Naziclique bekämpft, alltäglicher Rassismus in Deutschland thematisiert oder dem rechten Nachbarn Widerwort gegeben wird, vor allem eines darf man nicht: Rechte Gewalt und deren Opfer vergessen! Am 22.2. soll mit einer Demonstration durch Dautphetal das Bewusstsein dafür wachgehalten werden, dass Neonazigewalt und Rassismus alltäglich sind – auch in Marburg – Biedenkopf.

Für das Ende des alltäglichen Naziterrors!
Gegen die rassistischen Zustände – ob Ausländerbehörde oder Naziclique!
Für einen konsequenten Antifaschismus, der alle Teile der Gesellschaft in die Kritik einbezieht!
Der antifaschistische Selbstschutz muss organisiert werden!“

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Weitere Infos erhaltet ihr direkt auf der Website http://dautphetal.blogsport.de/
For more information visit the website http://dautphetal.blogsport.de/

Pressemitteilung des Bündnis gegen Rechts Marburg vom 12.1.2014

Pressemitteilung des Bündnis gegen Rechts Marburg: Antifa vermutet Neonaziangriff

„In der Nacht zum Sonntag den 12.01.2014 kam es zu Angriffen auf ein AsylbewerberInnenheim in Wohratal bei Marburg. Gegen 4.30 Uhr morgens traten vier unbekannte Männer die Eingangstür des Heims ein, zerstörten die Fenster und Rollläden des Erdgeschosses. Nach Aussagen der Betroffenen bedrohten und beleidigten sie die Bewohner und Bewohnerinnen und schlugen Türen zu den Wohnungen ein. Die Randale dauerte über eine halbe Stunde, verletzt wurde niemand.

Die Bewohner und Bewohnerinnnen setzten sofort Notrufe an die Polizei ab, die jedoch erst eine viel zu spät in Wohra eintraf, obwohl sich die Täter über 30 Minuten Zeit ließen. Die Kripo Marburg „ermittelt in alle Richtungen“.

Diese Tat reiht sich in eine bundesweite Serie von Gewalt gegen Asylsuchende ein – die von Neonazis ausgeht. Aus rassistischen Motiven
wird vor Brandstiftung, Körperverletzung und versuchtem Mord nicht zurückgeschreckt. Das Muster der Übergriffe gleicht sich.

„Alles spricht dafür dass dieser Anschlag von Rassisten und Neonazis begangen wurde. Neonazis greifen tagtäglich Menschen an – auch in
Marburg Biedenkopf. Dass die Polizei unfähig oder nicht Willens ist, diese Dimension von Gewalt zu begreifen zeigen die ersten Verlautbarungen der Polizei dass „in alle Richtungen“ ermittelt werde und zudem lange Zeit vergehen musste bis sie sich vor Ort zeigte.“, so
Sophia Stern vom Bündnis gegen Rechts Marburg.

Das Bündnis gegen Rechts fordert Solidarität mit den geschockten Betroffenen angesichts der Nazigewalt und eine transparente und
umfassende Aufklärung der Vorfälle. Denn auch in Marburg Biedenkopf und Umgebung gibt es eine Neonaziszene die höchstwahrscheinlich für die Taten verantwortlich ist, diese sollte im Fokus aller Ermittlungen stehen.

antifa gruppe 5 im Namen des Bündnis gegen Rechts Marburg“

Weitere Infos und der Aufruf zur Demonstration „Rassismus tötet – Gegen rechte Gewalt“ am 22.Februar 2014 in Dauphetal (bei Marburg) unter http://dautphetal.blogsport.de/

Auf gute Nachbarschaft!

Marburg, 22.07.2013
Auf gute Nachbarschaft!

Seit Freitagabend (19.07.2013) ist die leer stehende ehemalige Augenklinik der Universitätsklinik Marburg in der Robert-Koch-Straße besetzt. Die BesetzerInnen fordern mit dieser Aktion eine erneute öffentliche Diskussion über fehlenden Wohn- und Sozialraum im Stadtgebiet der Universitätsstadt, stetig steigende Mietpreise und skandalisieren die städtische Unterstützung von Sanierungsprojekten von Privatinvestoren.

Wir, die BewohnerInnen des Bettenhauses, begrüßen die Initiative der BesetzerInnen, erneut gegen offensichtliche Widerstände diese Themen ins Bewusstsein der Marburger Öffentlichkeit zu tragen. Das Bettenhaus, selbst einst Teil des hiesigen Universitätsklinikum, ist seit seinem Bestehen vor 28 Jahren ein Beweis für die Notwendigkeit von Räumen, die nicht nur bezahlbaren Wohnraum garantieren. Es ist auch ein Beleg dafür, wie wichtig ist es einen Ort zu haben, in dem für sozialen und politischen Austausch die hierfür notwendige Zeit zur Verfügung steht. „Die Selbstverwaltung unseres Hauses, die unzähligen Aushandlungs- und Austauschprozesse sowie die Erfahrung von kollektiver Zusammenarbeit und Zusammenwohnen waren Erlebnisse, die ich woanders wohl nie gemacht hätte. Die Möglichkeit sich mit anderen Menschen so intensiv austauschen zu können, gemeinsam an einem, an unserem Projekt zu arbeiten, hat mich nachhaltig geprägt und politisiert.“, resümiert Clara R., eine ehemalige Bewohnerin des Bettenhauses.

Bereits 1985 eigneten sich Studierenden und Menschen, die Marburg ausmachen, und die ihre Kreativität und ihren Wunsch nach einem anderen, einen besseren Leben kollektiv Raum geben wollten, das damals stillgelegte Bettenhaus an.

In den vergangen 28 Jahren war der Erhalt und die Finanzierung unseres Bettenhauses stets prekär und die Aufrechterhaltung der eigenen Selbstverwaltung ein zeit- und arbeitsintensiver Prozess, der quasi neben Studium, Lohnarbeit usw. passieren musste.

Die nun von den BesetzerInnen der (T)Raumklinik geforderten sozialen und politischen (Wohn)(T)Räume stellen für uns BewohnerInnen daher eine berechtigte und unterstützenswerte Forderung dar.

Denn das Problem des Wohnungsmarktes ist in Marburg seit Jahren bekannt, nur wird nicht angemessen darauf reagiert. Stattdessen wurde in der Vergangenheit mit dem Collegium Gengium (CG) ein selbstverwaltetes Studierendenwohnheim von der Universität und der Stadt unter fadenscheinigen Gründen geschlossen, ohne eine Alternative zu schaffen. Darüber hinaus wird auch in Marburg weiter Wohnraum vernichtet. So mussten beispielsweise in der Rosenstraße Wohnungen dem neuen Tagungscenter der Deutschen Vermögensberatung weichen.

Neu geschaffener Wohnraum, wie die Studierenden-Appartements zwischen Mensa und Phil-Fak, sind meist nicht nur unverschämt teuer, sondern auch dezidiert nur auf Studierende zugschnitten. Was zur Folge hat, dass Menschen, die nicht studieren oder auch mit Kindern zentrumsnah wohnen wollen schlichtweg keine bezahlbaren Wohnungen finden. „Die Wohnungsnot in Marburg ist damit kein reines Studi-Problem, auch wenn die Skandalisierung dieser Missstände aus einem eher studentisch geprägten Umfeld kommen“, so Philipp Salomo aus dem Vorstand des Vereins zur Förderung studentischen Wohnens e.V

Das Problem von steigenden Mieten und fehlenden Wohnraum ist jüngst auch in die bundesdeutsche Öffentlichkeit gerückt. Neben den Versuchen es als Wahlkampfthema zu gebrauchen, belegen auch zahlreiche Studien, wie die in dieser Woche von der Bertelsmann veröffentlichte Erhebung, die massiven Auswirkungen von Mietpreiserhöhungen und den Mangel an sozialverträglichen und familiengerechten Wohnen: So müssen beispielsweise im Stadtgebiet Frankfurt viele Familien fast jeden zweiten Euro ihres Einkommens für die Miete ausgeben.

Aus diesen Gründen solidarisiert sich das Bettenhaus Marburg mit den BesetzerInnen der (T)raumklinik und schließt sich ihren Forderungen an. „Wir freuen uns über Aktionen der BesetzerInnen und die Veranstaltungsreihe der Recht-auf-Stadt-Initiative. Unsere Erfahrungen zeigen, dass eine andere Form des Zusammenlebens möglich sein kann. Was fehlt, ist jetzt nur noch eine Politik, die neben Wahlversprechen auch Initiativen wie die der (T)Raumklinik ernst nimmt und zum Anlass einer tatsächlichen Auseinandersetzung nimmt, anstatt die BesetzerInnen vorschnell zu kriminalisieren. Die seit heute Mittag durchgeführte Räumung der Klinik durch ein massives Polizeiaufgebot ist keine angemessene Reaktion auf die Thematisierung dieser wichtigen sozialen und politischen Fragen“, so Philipp Salomo.

Auf gute Nachbarschaft! Euer Bettenhaus

Bettenhaus Sommerfest 2013

Reclaim all the streets and all the houses!
In diesem Jahr veranstaltet das selbstverwaltete Studiwohnheim Bettenhaus das Sommerfestival unter dem Motto „Reclaim all the houses and all the streets!“.

Dazu möchten wir alle einladen, die mit uns tanzen, feiern und trinken wollen und sich gleichzeitig mit unserem linken politischen Selbstverständnis identifizieren können. Dazu gibt es in diesem Jahr auch Workshops, genauere Infos zu den Themen findet ihr auf unserem Blog.

IN MEMORY OF MOUSSA

It is with great sadness that we say goodbye to our friend Moussa Thiam who passed away in August 2012.

We first met Moussa when he arrived at the Bettenhaus looking to participate in our Open Stage evening and really got to see one of his many talents and passions as he was freestyle singing and rapping about people, his first impressions of the Bettenhaus and his experiences as a foreigner in Germany. From that first moment, it goes without saying that everyone was drawn to Moussa not only because of his intractable smile, always brimming from ear to ear, but also his friendliness. After spending only a couple of minutes with him, one could never forget his openness, kindness and generosity, something which we saw once again during the Sommerfest, when Moussa spent hours helping to set everything up, to prepare the VöKu and then performing in French, Wollof and German.
Moussa’s presence will be missed and he will not be forgotten.
Moussa

Tradition in Marburg – Wohnungssuche als Herausforderung für die Studierenden zu Beginn des Wintersemesters

Der optimale Studienstart?
Seit Beginn dieser Woche regt sich wieder einiges in Marburg. Das Wintersemester steht vor der Tür. Gruppen von Studierenden ziehen durch die Stadt und erkunden ihren neuen Wohnort. Gemeinsame Aktivitäten sollen den neuen Studierenden helfen miteinander in Kontakt zu treten und Marburg besser kennen zu lernen. Die sogenannte Orientierungseinheit (OE), die von Studierenden höheren Semesters geleitet und begleitet sowie von den Fachschaften organisiert wird, ist Tradition und soll den Studienanfänger_innen helfen, sich in das beginnende Studium und die neue Stadt einzufinden.
Weniger leicht wird es den Neuankömmlingen gemacht, wenn es darum geht ein bezahlbares Zimmer oder eine Wohnung zu finden, wie auch auf der Homepage der Universität und des Studentenwerks deutlich wird. Die schon seit Jahren bestehende Wohnungsnot in Marburg zeigt sich vor allem zu Semesterbeginn. Zwar bieten Uni und Studentenwerk Hilfestellung bei der Wohnungssuche an, doch die schnell vergriffenen Zimmer in Studierendenwohnheimen, die Notunterkünfte auf Feldbetten oder Matratzen für 5€ die Nacht ändern kaum etwas an der Situation. Besonders schwerwiegend stellt diese sich für Studierende ohne deutschen Pass, mit finanziell schwieriger Lage und/oder Eltern mit Kind(ern) dar.
Die Stadt und die Universität wissen um dieses Problem, ihnen seien allerdings die Hände gebunden: Für neuen erschwinglicheren Wohnraum fehle das Geld. Die von Privatpersonen angebotenen Wohnungen oder Zimmer sind für viele nicht bezahlbar und so wird das Ankommen in der neuen Stadt häufig alles andere als ein optimaler Studienstart für diejenigen, die nicht auf die kostengünstigen Zimmerangebote der konservativen und männerbündischen und zum Teil neonazistischen Studentenverbindungen hereinfallen, sondern schnell zum stressigen Marathon von einem WG-Vorstellungsgespräch zum nächsten. (zu Studentenverbindungen mehr Infos unter http://fuchsjagd.blogsport.de)

Das Bettenhaus – es geht auch anders
Nachdem das selbstverwaltete Studierendenwohnheim Collegium Gentium vor nunmehr fünf Jahren geräumt wurde, ist das Bettenhaus das letzte größere Wohnprojekt, welches die Gentrifizierung in Marburg bisher überstanden hat. Mit seiner zentralen Lage in der Nordstadt bietet das Bettenhaus für etwa 60 Menschen Wohn- und Lebensraum. Gemeinsam wird das Gebäude mit einem basisdemokratischen Verständnis verwaltet und gestaltet.
Das Wohnprojekt Bettenhaus blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bereits 1984 mit der Verlegung der ehemaligen Liegestation in die Lahnberge begann. Studierende sahen in dem leerstehenden Liegenschaftsgebäude des Landes Hessen die Möglichkeit für ein alternatives Wohnheim. Das Land willigte in Form eines Überlassungsvertrags ein und überließ die Verantwortung über Fach und Dach der Universität Marburg, während alle internen Entscheidungen und Verwaltungsprozesse in den Händen der Bewohner_innen liegt. Seitdem versuchen die Bewohner_innen den Status ihres Hauses zu sichern. Um diesem Vorsatz einen Schritt näher zu kommen, beschlossen die Bewohnenden vor einigen Jahren dem Mietshäuser-Syndikat beizutreten, um somit das Gebäude vollständig übernehmen zu können. Die dringend notwendigen Sanierungen im und am Haus, für die die Universität schon lange nicht mehr aufkommen will, könnten so endlich umgesetzt werden. Obwohl die Verhandlungen zur Hausübernahme schon seit mehreren Jahren laufen, bleiben die Bewohner_innen beharrlich. Mit starkem Durchsetzungsvermögen wird die Forderung „Die Häusern denen, die darin wohnen“ stetig versucht umzusetzen.
Das Wohnprojekt Bettenhaus soll auch in Zukunft nicht nur für bezahlbaren Wohnraum stehen, sondern auch Raum für den Austausch von Menschen unterschiedlicher Herkunft und sozialem Status sein. Es soll weiterhin ein Ort für politische und kulturelle Aktivitäten sein. Dabei wird im Kampf gegen Diskriminierung eine gemeinschaftliche Form des Zusammenlebens entgegengesetzt. Rebekka Eisner, Vorstandsmitglied des Vereins zur Förderung studentischen Wohnens in Marburg, erläutert: „Wir sehen immer wieder, wie tatsächlich bestehender Raum in Marburg für Gewerbezwecke genutzt oder in Eigentumswohnungen umgebaut wird. Dieses Vorgehen wird den Bedürfnissen der Bewohner_innen Marburgs in keiner Weise gerecht und verschärft die katastrophale Wohnsituation in Marburg enorm. Deswegen ist es umso wichtiger sich für sozial gerechten Wohnraum einzusetzen und sich für alternative Wohnprojekte, wie das Bettenhaus, einzusetzen.“

Notbetten im Bettenhaus
Neben den längerfristigen Bemühungen der Bewohner_innen des Bettenhauses, ist es ihnen auch wichtig, akut zu helfen. Schon seit einigen Wochen melden sich Studienanfänger_innen, die dringend nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen, da sie noch keine Wohnung finden konnten. Das Bettenhaus bietet schon seit Jahren, vor allem zu Semesterbeginn, kostenfrei Wohnzimmer in den einzelnen Wohngemeinschaften als sogenannte „Notbetten“ an. Um dafür Kontakt mit den Bewohner_innen aufzunehmen, gibt es eine eigens eingerichtete Emailadresse: notbetten@projekt-bettenhaus.de

Bettenhaus Sommerfest 2012

vom 22.6.-23.6.
mehr Infos unter http://bettenhaussommerfest.tumblr.com/

8.März 2012 – Frauenkampftag

PRESSEMITTEILUNG VON PROCHOICE MARBURG

Der Kampf von und für Frauen muss alltäglich geführt werden

Heute am 8. März, dem internationalen Frauenkampftag, gingen über 70 Menschen zu einer nicht angemeldeten lautstarken Demonstration in Marburg auf die Straße. Mit Parolen wie „Abtreibung ist Frauenrecht – bei ProLife da wird uns schlecht“ und „8.März alle Tage – das ist eine Kampfansage“ machten die Demonstrierenden ihrem Ärger über die bestehenden Verhältnisse Luft. Angefangen am Elisabeth-Blochmann-Platz lief die Demonstration zunächst über die Biegenstraße zur Elisabeth-Kirche, weiter bis zum Bahnhof und anschließend auf den Marktplatz. An diesen Plätzen wurden verschiedene Redebeiträge verlesen, in welchen deutlich gemacht wurde, warum dieser Tag als internationaler Frauenkampftag so wichtig ist. Simone Debuvar, die Sprecherin der Gruppe ProChoice Marburg, dazu: „Uns reicht es nicht, Frauen an diesem Tag eine Rose zu überreichen oder zum Sektempfang zu laden. Für uns ist und bleibt der 8. März Frauenkampftag!“

Thematisiert wurden bei den Kundgebungen die miserablen Zustände der Gesetzgebung und des gesellschaftlichen Umgangs mit Abtreibung, die sexistische und homophobe Gewalt, die Frauen alltäglich widerfährt und evangelikale Organisationen, die durch ihr frauenverachtendes Weltbild von sich Reden machen. „Denn noch immer erfahren Frauen auf Grund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Identität und Orientierung Gewalt und solange das Bestand hat, kann nicht von der Gleichberechtigung aller Geschlechter gesprochen werden“, sagte Debuvar.

Solidarität erfuhr die Demonstration durch verschiedene Gruppen aus Marburg und Frankfurt. So gab es Redebeiträge zu dem Frauenraum Feministisches Archiv, zu feministischer Kritik an männerbündischen Organisationen wie der Deutschen Burschenschaft und zu dem Verkauf des Instituts für vergleichende Irrelevanz in Frankfurt. „Wir sind begeistert von so viel Unterstützung. Dies zeigt nur zu deutlich, dass das Motto des heutigen Tages Frauenkampftag, jeden Tag! keine leere Worthülse ist“, sagte die Sprecherin Debuvar.

Die Polizei Marburg begleitete die Demo mit mehreren Fahrzeugen und Motorrädern. „Das für Marburger Verhältnisse hohe Polizeiaufgebot überstieg alle Erwartungen und suggeriert eine als hoch empfundene Bedrohung durch Frauen, die am Frauenkampftag auf die Straße gehen“, stellt Debuvar nüchtern fest, „wir lassen uns aber dadurch nicht einschüchtern, sondern sehen es als Motivation den Kampf jeden Tag weiterzuführen.“

Flyer „Linkes Marburg – Termine, Gruppen, Orte“

Pünktlich zum Semesterbeginn hat die AG5 einen Flyer mit dem Titel „Linkes Marburg – Termine, Gruppen, Orte“ herausgebracht. Dort findet ihr viele spannende und tolle linke Gruppen aus Marburg, jeweils mit einer kurzen Beschreibung, Kontaktmöglichkeit und dem ort wo ihr sie findet. Den Flyer findet ihr auf der homepage der Gruppe und an vielen Orten in Marburg. Für ein gutes Ankommen!

Als kleine Ergänzung: die No-Border-Gruppe Marburg gibt es noch nicht so lange, deshalb hat sie es wohl noch nicht in den Flyer geschafft. Sie beschäftigt sich mit den Themen Migration und Abschiebungen und ihr könnt sie erreichen unter: nobordermr@riseup.net.

Mietshäusersyndikatstreffen

Vom 8.-10.4.2011 fand in Marburg die Mitgliederversammlung des Mietshäuser-Syndikats statt.
Anlass genug die lokale Presse auf die Marburger Syndikatsprojekte aufmerksam zu machen. Das Ergebnis von mittelhessen.de lautet „Hausbesetzer werden Hausbesitzer“ und ihr könnt es hier lesen.

Wo und wann die nächsten Mitgliederversammlungen des Syndikats stattfinden könnt ihr auf der Seite des Mietshäuser-Syndikats erfahren.